 Thelema (griechisch θέλημα "Wollen", "Wille", "Gebot", "Verlangen", "Gelüst" oder "Intention") ist der Oberbegriff für eine lose zusammenhängende neureligiöse Bewegung.
Diese bezieht sich in weiten Teilen auf Aleister Crowley und sein Liber AL vel Legis (von Crowley als Buch des Gesetzes bezeichnet), orientiert sich aber auch an okkulten und magischen Traditionen wie dem Rosenkreuzertum, der Kabbala, der Gnosis und anderen spirituellen und religiösen Lehren.
Als Vorläufer unseres heutigen Willensbegriffs wird von der Altphilologie das griechische "boule" angesehen, nicht etwa "thelo" oder "thelema".
Es gibt im Griechischen vor allem zwei Wörter für Willen, die im Neuen Testament teils austauschbar verwendet werden: "thelema" und "boule".
Bei der Übersetzung des griechischen Alten Testaments (AT), der Septuaginta (LXX), ins Lateinische wurden "boule" und "thelema" mit "voluntas" ("Wille") übersetzt.
Dadurch ging die unterschiedliche Bedeutung beider Begriffe verloren.
"Boule" heißt "Wille", "Absicht", "Ratschluss", "Vorhaben" (also ein Wille mit Zweck)
"Thelema" ist im klassischen Griechisch anscheinend sehr selten gebraucht worden, es gibt nur eine Handvoll Belege, frühester bei Antiphon (5. Jhd.)
In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, in Alexandria im 3./2. Jahrhundert gefertigt, taucht das Wort "thelema" 51-mal auf.
Im Neuen Testament wird "thelema" 62-mal gebraucht, davon zweimal im Plural ("thelemata").
Das Verb "thelo" taucht schon sehr früh auf (Homer, frühe attische Inschriften) und hat dort die Bedeutung von "bereit sein", "belieben", "geneigt sein", "wünschen", "wollen", "entscheiden" und "begehren" (Homer Od. 3, 272, auch im geschlechtlichen Sinn).
Aristoteles sagt in der Schrift "de plantis", dass, anders als bei den Pflanzen, die keine epithymia (Begierde) haben, das Ziel unseres (menschlichen) Willens die Wahrnehmung ist (Übersetzung des Autors).
Der Lexikar erklärt, Aristoteles habe hier epithymia und thelema ausgewechselt, und "[thelema] solle ganz neutral, nicht irgendwie sittlich bestimmt, die begehrende Triebkraft beim Menschen bezeichnen".
Im Neuen Testament wird Gottes Wille stets und ausschließlich mit dem Wort "thelema" (θέλημα, zumeist im Singular) bezeichnet, wie der Theologe Federico Tolli anhand des Theologischen Wörterbuches zum Neuen Testament von 1938 aufzeigt.
Dieser führt als Beleg unter anderem das Vaterunser Jesu an: "γενηθήτω τό θέλημα σου ώς έυ ουρανώ καί έπί γής" ("dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden").
In gleicher Weise wird der Begriff beim Apostel Paulus und dem Kirchenlehrer Ignatius von Antiochia verwendet.
Für Tolli ergibt sich daraus, dass die genuine Idee von Thelema den Lehren Jesu nicht widerspreche (Lit.: Tolli, 2004).
Das griechische Thelema ist der Ursprung des Begriffes "Thelemit".
Dieser Begriff taucht zum ersten Mal bei François Rabelais, einem französischen Mönch, Priester, Philosophen und Humoristen des 16. Jahrhunderts in seinem klassischen Werk Gargantua und Pantagruel auf.
Dort wird das Wort "Thelemit" verwendet, um die Bewohner einer Art "Anti"-Klosters zu beschreiben, die Abtei von Thélème.
Das Wort "Thelemiten" ("Thelemites") erscheint ebenfalls im Liber AL vel Legis und wird als Selbstbezeichnung der Anhänger Thelemas verwendet.
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